DAS NEUE TESTAMENT

DER NEUE BUND DES GEISTES GOTTES,

wie er wirklich ist,

welchen Gott durch Jesus Christus mit uns Menschen gemacht,

und durch dessen Apostel und Jünger aufschreiben lassen hat.

Zur Beschämung des so genannten Christentums,

weil Jesus Ankunft in den Wolken in Wahrheit ist: die Entdeckung Jesu Christi in den Herzen,

und Wiedergeburt und Taufe im Geist erst der Anfang des Weges, die Errettung aber das Ziel ist.

Wer Jesu Christi verkündigt als nicht im Fleisch gekommen, gekreuzigt und auferstanden,

der ist nicht in göttlicher ewiger Wahrheit, sondern ist noch unter der Verfluchung.

Im Fleisch gekommen heißt: Christi GEIST persönlich inwendig lebendig angenommen,

gekreuzigt heißt: nicht mehr sich selbst leben, sondern Christi GEIST in sich leben lassen,

und auferstanden heißt: in Kraft des GEISTES Christi leben, und die Welt unter Füßen haben.

1702 neu übersetzt aus dem Griechischen in die deutsche Pentapla-Bibel von Johann Henrich REITZ

2012-6 als Beta-Version digitalisiert & spirituell nachgearbeitet von

HERMES & ARCHIMEDES

Gut sein ?   –   Wir machen es einfach   –   Tue es auch !

Efcola me Prostacia, cetimiatis se mia irinici pisti.

Persönliche Förderer, einfach-seiend, sündlos mit friedlichem Glauben.

TUE GUTES, wenn du selig werden willst,

denn so kann dir hundertfältig zurück gegeben und wohlgetan werden bis in die Ewigkeit.

Lebe aus dem gutwilligen Herzen heraus, so ist deine Seele immer in göttlicher Kraft.

Der Mensch ist in Wahrheit nicht nur ein Mensch, sondern eine GEISTIGE EWIGE Wesenheit:

entweder ein ENGEL der Liebe, der den Himmel auf Erden holt, und Gottes Königreich ererbt,

oder ein TEUFEL des argen Egos, der in der Herrschaft des Teufels gefangen ist und bleiben wird.

Der freie Wille und die eigene Entscheidung macht den Menschen zu dem, was er sein wird.

Wer Verstand hat, verstehe es und nehme es in seine Seele auf, und tue wirksam danach,

und verkünde es allen, die es wert sind und annehmen und ihren Sinn und ihr Tun ändern.

Habt Ihr das nicht begreifen können nach so langer Zeit, und wißt nicht, wessen Kind ihr seid?

Der anwesende Heilige Geist fordert alle Menschen auf, ihre Gesinnung grundlegend zu ändern:

vom Zeitlichen zum Ewigen, vom Körperlichen zum Geistigen, vom Irdischen zum Himmlischen,

vom Diesseits zum Jenseits, vom Argen zum Guten, vom Unsinn zum Sinn, vom Tod zum Leben,

vom Ich zum Wir, vom Teufel zum Engel, von der Lüge zur Aufrichtigkeit, vom Hass zur Liebe,

vom krummen bequemen Weg zum schmalen geraden Weg, der ins ewige wahre Leben führt.

Unsere Väter sagten dazu: „Buße tun“. Doch fast immer wird ein „anderer Christus“ verkündigt,

der den Sinnen und Gefühlen wohl schmeichelt, und die Seele in der Gottes-Verbannung behält.

Aber nach Sinnes-Änderung und Absterben des Egos geschieht die Auferstehung aus den Toten:

der neue inwendige Mensch, unsterblich lebend, da er schon mit dem Himmelreich verbunden ist.

Hermes Adamas Avataras, Mensch guten Willens, Gottes Sohn inwendig, gekreuzigt und lebend auferstanden aus den Toten

Eine ERKLÄRUNG des Neuen Bundes,

welchem Gott durch Jesus Christus mit uns Menschen gemacht hat.

(Wie er im Titelbild vorgestellt ist, zum weiteren Nachdenken)

Von Johann Henrich Reitz

Jesus CHRISTUS der Gekreuzigte, LEBE und herrsche IN UNS!

Es bezeugt der Apostel Paulus in 1.Korinther 1.23,24 für sich und alle Apostel,

dass ungeachtet der Juden Ärgernis und der Heiden Verspottung

dieses der Inhalt ihrer ganzen Verkündigung sei:

Ein gekreuzigter Christus.

Er spricht: Wir verkündigen einen gekreuzigten Christus.

Welcher den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit ist,

denen aber, die berufen sind, beides: Juden und Heiden, einen Christus,

der GOTTES KRAFT und GOTTES WEISHEIT ist.

Ja, dieser Apostel bezeugt in 1. Korinther 2.2,

dass er auch nichts anderes wissen wolle, als nur Jesus Christus, und zwar als einen GeKREUZigten.

So teuer war bei den Boten des Friedens das Wort vom KREUZ,

dass sie auch den Inhalt ihrer ganzen Verkündigung der guten Botschaft,

die sie von Gottes wegen an alle Welt ausgerichtet hatten, einzig und allein dadurch bekannt machten,

und den wahren Christus, nämlich den GeKREUZigten, eben durch das KREUZ.

Dieser ist von allen falschen Christussen unterschieden,

die etwa künftig nach des Geistes Weissagung kommen möchten,

und ein anderes Evangelium, das dem Fleisch angenehm ist,

und in Christi Namen betrügerisch verkündigen würden.

Gelobt sei Gott für solches gewisse Kennzeichen seines rechten Gesalbten,

und gelobt sei sein herrlicher Name für das köstliches Evangelium vom Kreuz,

wodurch Jesus Christus für uns mit Gott uns versöhnt, und in uns von allen Bösen erlöst hat.

Dieses ist die wahre Grund-Lehre von unserer Seligkeit

und der Inhalt aller heiligen Schriften,

begreift auch alles, was zur Erlangung der Seligkeit zu wissen und zu tun nötig ist;

beides: im Glauben und im Leben,

woraus Christus völlig als Gottes KRAFT und Gottes WEISHEIT

von den Berufenen aus allen Völkern erkannt und offenbar ist.

Auf dass aber auch die Mühseligen und Beladenen, die Krüppel, die Lahmen und die Blinden,

welche in ihrem Herzen berufen werden, dies GEHEIMNIS des Neuen Bundes verstehen mögen,

und den Grund des Kreuzes Christi in göttlicher Kraft und Weisheit einsehen lernen.

So ist zuerst zu wissen nötig:

Wer Jesus Christus der gekreuzigte in seiner PERSON eigentlich sei.

Auf dass nicht der Wider-Christ mit seinem Evangelium die hungrigen Seelen mehr und mehr betrügen möge.

Es bezeugt denn die Salbung des heiligen Geistes,

sowohl durch die Propheten und Apostel, als auch noch durch alle, die durch ihn wieder zu Gott kommen,

dass „Jesus Christus der GEKREUZIGTE“ des lebendigen Gottes Sohn sei:

nach dem Geist zwar das wesentliche WORT Gottes des Vaters,

aus Gott von Ewigkeit her ausgehend und geboren;

nach dem Fleisch aber unser Mit-Bruder, Fleisch von unserem Fleisch und Bein von unserem Bein,

genommen aus dem königlichen Samen Davids,

geführt in die göttliche Geheimnisse,

verherrlicht zum Ebenbild Gottes und mit Gott vereinigt,

und als der zweite Adam wieder ins Paradies gesetzt;

von wo er das Elend seiner Bruder auf der verfluchten Erden mitleidend angesehen hat.

Woher er aus brüderlicher Liebe bewogen worden ist,

nach dem Willen und Wohlgefallen Gottes seines Vaters, jedoch freiwillig um unsretwillen,

seine Herrlichkeit zu verlassen, sich zu erniedrigen, und auf unserer verfluchten Erde zu uns zu kommen,

den Fluch und die Knechts-Gestalt wahrhaftig anzunehmen hat und für uns in den Tod zu gehen,

auf dass er die Liebe Gottes wiederum in den Fluch bringen,

den gerechten Zorn des Vaters stillen oder uns mit Gott versöhnen möchte.

Und daraus uns den geöffneten schmalen Weg ins Paradies zu zeigen,

sowohl zum Vorbild an seinen Exempel, als in uns wohnend durch seinen guten Geist,

auf dass wir erlöst aus der Hand unserer Feinde ihm dienten

ohne Furcht unser Leben lang von nun an bis in die Ewigkeiten. (Philipper 2.6-11)

So ist er denn nach der Engel und Evangelisten und Apostel Verkündigung

als das Heilige von Maria der Jungfrauen geboren und Jesus Christus, Gottes Sohn, genannt worden,

und hat so unseren Fluch angenommen, das ist: er ist uns, seinen armen Brüdern,

in allem Elend, Jammer, Not und Tod, welches alles von der Sünde hergekommen ist, gleich geworden,

wiewohl er selbst ohne Sünde war.

Alles zu dem Ende, dass er uns mit mächtiger Hand und starkem Arm

aus diesem Dienst-Haus des Teufels (aus Gosen, das Ägypten dienstbar geworden ist) erlösen möchte,

und in das gelobte Land, welches unser Vater Adam besessen hat,

und in Seiner geschenkten Herrlichkeit, wieder einführen möchte.

Gleichwie er selbst nach vollbrachten Leiden und Versuchungen der Teufels,

als er in Knechts-Gestalt bis in den Tod so getreu geblieben ist,

– als der erste Adam in seinem herrlichen Stand nicht getreu gewesen war –

wiederum von Gott aufgenommen wurde in seine Herrlichkeit,

und ihm für solche Treue und Liebe zu Gott und seinen Brüdern noch über Vorheriges gegeben ist,

zu sitzen zur Rechten Gottes und als König, über alle Thronen und Fürstentümer der Engel erhaben;

wo er zugleich ein ewiger Hoherpriester in dem Allerheiligsten noch täglich und immer für uns opfert, bittet

und alle heiligt, die durch ihn zu Gott kommen.

Überdies lehrt er durch seinen göttlichen Geist, als ein immerwährender Prophet und Lehrer,

seine Jünger, die ihm nachfolgen, die Geheimnisse des Reiches Gottes in ihren Herzen,

den anderen aber in Bildern und Gleichnissen, so lange, bis sie auch seine Jünger werden und ihm folgen wollen.

Dies ist nun „Jesus Christus der Gekreuzigte“,

so wie er uns von Gott gemacht ist zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung

und wie er von den Propheten, Evangelisten und Aposteln verkündigt ist,

und wie er sich auch selbst in unseren Herzen offenbart und gerne offenbaren will.

Und in diesem „Christus dem Gekreuzigten“ hat Gott den Neuen Bund mit uns aufgerichtet,

welcher eigentlich nicht mit Tinte auf Papier geschrieben, noch in steinernen Tafeln gehauen,

sondern mit dem Blut Jesu in die Herzen aller geschrieben und versiegelt wird,

die den Bund für sich eingehen wollen.

Das ist: wenn sie an Christus glauben, oder ihn für den Heiland der Welt erkennen,

seine Lehr-Jünger werden und seiner Lehre treulich bis ans Ende folgen;

nicht bloß, wie solches zur äußeren Nachricht in den evangelischen und apostolischen Schriften verfasst ist,

sondern wie ER SELBST in dem Herzen und Gewissen

sich als den wahrhaftigen Messias in WORTEN und TATEN offenbart.

Hierher nun gehört die vornehmste Bedingung,

welche der Herr Jesus von allen, die seine Lehr-Jünger werden wollen, notwendig einzugehen fordert, nämlich:

Dass sie Ihm Sein Kreuz nachtragen sollen;

wer nicht täglich sein Kreuz auf sich nimmt und ihm nachfolgt, der kann nicht sein Jünger sein.

Denn wenn wir mit gestorben sind, so werden wir mit leben;

wenn wir geduldig ausharren, so werden wir königlich mit regieren. (2. Timotheus 2.11,12)

Der Grund dafür ist einfältig dieser:

Wir Menschen leben in Fleisch und Blut,

wenn es anders ein Leben ist unter der Herrschaft der Sünden und des Teufels.

Wir sind mit unserem Willen aus Gott ausgegangen und in die Kreatur wieder eingegangen,

daher kommt Augen-Lust, Fleisches-Lust und hoffärtiges Leben.

Wir begehren das Böse und den Fluch und hassen das Gute und den Segen;

und stehen so nach der verderben Natur in einem solchen Zustand,

dass, wenn wir von uns selbst tausendmal wieder uns zum Guten wenden wollten, so können wir nicht,

und wenn wir tausendmal uns zum Guten wenden könnten, so wollen wir nicht, nämlich von uns selbst aus,

denn durch Christus haben wir beides: das Wollen und das Können.

Obgleich wir nun also im Fleisch und Blut die Elendsten sein wollen,

so bildet sich doch der natürliche Mensch wunderbare Glückseligkeit ein,

wenn er dieses vermeinten Lebens recht voll genießen kann,

zu welchem Endzweck er alle Kräfte anwendet, in Ungerechtigkeit, Geiz und Bosheit, grober und subtiler Weise,

diese seine Herrlichkeit zu behalten.

Weil aber das Ende dieser Argheit der Seele völliger Tod ist, und Gott die Menschen liebt,

so hat er nach seiner Weisheit in Christus verordnet,

dass der alte Mensch der Sünden im Fleisch und Blut alleine in den Tod gehen soll,

auf dass der neue inwendige Mensch leben möge.

Hat nun Jesus Christus, der neue rechte Mensch, seine wahrhaftige Herrlichkeit verlassen,

ist ein Knecht geworden und um unsretwillen in den Tod gegangen:

wie viel mehr müssen wir nach dem alten sündlichen Menschen im Fleisch und Blut

die eingebildete Herrlichkeit dieser verfluchten Welt und des sündlichen Lebens verlassen,

ihn zum Knecht machen und nach seinen Lüsten und Begierden töten,

bis endlich der natürliche Tod die völlige Auflösung gibt.

Und so müssen wir mit Christus nach dem alten Menschen im Fluch sterben,

auf dass wir mit ihm nach dem neuen inwendigem Licht-Leib, welches ist der Leib Christi, leben mögen.

Kann doch keine Kreatur, die unter dem Fluch steht, ohne Leiden nach seiner Art gereinigt werden:

durch das Feuer werden die Schlacken vom Gold geschieden und alle groben Körper verklärt,

durch die Kelter wird der Wein aus seiner Traube gepresst,

und durch das Absterben und die Verwesung bekommt das Korn seine fruchtbaren grünen Halme und Ähren.

Wie sollte denn der Mensch, um dessen willen die Kreatur dem Fluch unterworfen ist,

ohne Leiden, ohne Furcht, ohne Kelter, ohne Absterben wieder zu seiner Herrlichkeit gelangen können?

Hiergegen murrt zwar der fleischliche Mensch und will dieses für sein Evangelium annehmen,

weil es „fein leben“ gilt, beruft sich daher auf das fleischliche Evangelium des Wider-Christes,

welches der siebenköpfige Drache, die alte Schlage, ihm zu gefallen erdacht hat,

indem er sich in blendendem Schein des Evangeliums Christi

nach dem Buchstaben angenommen hat,

solches zur Lust des Fleisches verdreht hat,

und Christi Leiden am Kreuz zu seinem Deckmantel darüber gebreitet hat,

woraus dann ein ganz anderes Evangelium und ein ganz anderer Christus

als ihn die Evangelisten und Apostel und die apostolischen Männer verkündigt haben,

erwachsen und hervor gekommen ist.

Aber Jesus, „Christus der Gekreuzigte“, jetzt verherrlichter König,

wird ihn verzehren mit dem Geist seines Mundes und vertilgen bei seiner Ankunft.

Wenn auch ein vermeinter Apostel oder ein Engel vom Himmel

uns ein anderes Evangelium verkündigte, als welches die Apostel verkündigt haben,

nämlich das von „Christus dem Gekreuzigten“ und von seiner Kreuzes Nachfolge,

der ist verflucht.

Wenn nun jemand dem wahren Evangelium vom Kreuz gehorsam werden will

und in den Neuen Bund treten will, um teilhaftig zu werden des Lebens und der Herrlichkeit Jesu Christi,

der muss zuerst in der Verleugnung aller Dinge diesem seinem Meister nachfolgen,

und so kann er ein Jünger werden.

Wer es fassen kann, der fasse es.

Zu dem Ende muss er freiwillig, allein um Christi willen und Seiner teilhaftig zu werden, auf sich nehmen:

1. CHRISTI geistliche und leibliche ARMUT.

Was die geistliche Armut anbelangt,

so muss er mit Christus teilhaftig und von Herzen demütig erfunden werden,

er muss allen geistlichen Stolz und Einbildung von seinem elenden Zustand und von sich selbst erkennen,

und in Nieder-Geschlagenheit, Armut und großer Betrübnis über seine Sünden und Elend

sich mit dem verlorenen Sohn, auf Antreiben des Geistes Christus,

zu Gott dem Vater nahen und vor ihm alles bekennen,

und nichts mehr begehren, als nur einem seiner Tagelöhner gleich zu werden;

also muss er hungern und dursten nach der Gerechtigkeit und nach Gott.

Sodann wird er gesättigt werden mit den reichen Gütern des Hauses Gottes,

nämlich mit dem Herrlichen, Himmlischen und Verklärten Leib und Blut Jesu Christi

und mit dem Wasser des Lebens getauft und von Sünden abgewaschen werden.

Auf dass ihm aber an dieser Geistlichen Armut

das wollüstige Fleisch und Blut körperlich nicht hinderlich sein möge,

so muss auch ein Jünger Christi in der äußerlichen leiblichen Armut seinem Lehrmeister folgen:

Gehe hin, heißt es, verkaufe alles was du hast und gib es den Armen, komme dann und folge Christi nach.

Denn den Armen wird das Evangelium gepredigt,

den Armen dieser Welt, die im Glauben reich sind. (Jakobus 2.5)

Denn wir sehen an den Berufenen,

dass nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Mächtige, nicht viel Wohlgeborene da sind,

sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, das er die Weisen beschämen möchte

und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, dass er das Starke beschämen möchte,

und das Unedle der Welt und das für nichts geachtete und das nichts ist, hat Gott erwählt,

dass er zunichte mache, das etwas ist. (1. Korinther 1.26)

Nicht ist gemeint,

dass jemand von allen Menschen, sie seien reich oder arm, edel oder unedel, vornehm oder gering,

aus dem Neuen Bund überall ausgeschlossen sei;

sondern nur diejenigen, welche ihren Reichtum und zeitliche Güter, ihren Adel und Stand,

oder etwas dergleichen Vergängliche lieber haben als Christus, der Sein Himmelreich verleugnet um ihretwillen,

und nicht so viel Eigentum behalten hat, wo er sein Haupt hinlegen könnte;

die also von sich das Ihrige in der Tat um Christi Willen wieder verleugnen, und ihr Vermögen den Armen geben,

können Christus nachfolgen,

und ihr Schatz im Himmel wird nicht verrosten, noch ihr Adel verwelken, noch ihr Ehren-Stand ein Ende nehmen.

Der Grund hiervon ist dieser:

So lange der Mensch sich äußerlich nach seiner Gewohnheit

wollüstig mästen und pflegen, ergötzen und belustigen kann,

so lange er etwas Sichtbares hat oder sucht, worauf er sich verlassen und stützen kann,

so lange ist er stark und kann sich dem inwendigen schwachen neuen Menschen widersetzen,

begehrt nicht abzusterben, und will sich nicht unter Gott beugen, noch ihm vertrauen.

Er hindert stetig mit seinem Tun, Dichten und Trachten

der inwendigen anklopfenden Gnade und Belehrung des Geistes,

dass solche nicht beständig wirken und arbeiten kann,

und wenn das Gemüt in der Stille zu Gott gekehrt sein soll,

so ist es körperlich auswärts, wo sein Schatz ist,

er sei von Gold, Silber, Kleidern, Speisen, oder wovon es sonst wolle.

Ja, Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Weib, Kind und das eigene Leben

müssen uns nicht von Christus und Seiner Liebe scheiden,

wo anders, so müssen entweder sie oder Christus gänzlich verlassen werden.

Armut zieht nach sich die gänzliche Verachtung der Welt,

in welcher Verachtung der inwendige neue Mensch zu Gott schreit, und von ihm herrlich erquickt wird.

Armut lehrt glauben, beten, lieben, hoffen, und auf Gott alleine zu sehen.

Armut offenbart in uns den Neuen und den Alten Menschen,

wie sie schwach oder stark seien, beide: das Böse und das Gute,

und hebt des Fleisches Decke auf, worunter es sich in falscher Ruhe verbirgt

und sich selbst betrügt, als ob es gläubig, geruhig, gelassen und ein guter Christ wäre.

Armut ist ein Zügel, wodurch die wilden Begierden des Fleisches

öfters mit zurück gehalten und verhindert werden, diese oder jene Wollust zu vollbringen.

Armut lehrt, mit den Notleidenden, Armen, Verlassenen, Angefochtenen, Betrübten,

Schwachen, Kleingläubigen und allerhand Elenden, Mitleiden zu haben.

Oh seelige Armut Gottes!, das ist, die freiwillig um Christi willen, Seiner zu genießen, erwählt wird,

da man im Glauben an Gott das sichtbare Zeitliche, als den Fluch, verlässt,

und des unsichtbaren Ewigen, als des Segens, teilhaftig zu werden.

Diese Armut ist weit unterschieden

von der gezwungenen Armut in der Welt, wo einer nichts hat, aber gerne viel hätte;

ein solcher, wenn er ein Lehr-Jünger Christi werden will,

muß die Begierde zu dem fahren lassen, was er nicht hat,

und nichts wollen, als unmittelbar auf GOTT sehen, der Mittel nach Seinem Willen gebraucht;

dann steht er in der Armut Christi und ist Sein Lehr-Jünger.

Diese Armut Christi ist auch weit entfernt von den Heuchlern,

die das Ihrige zwar verlassen, aber sich in reiche Societäten und Gesellschaften begeben,

auf dass sie gewisses Futter für den Bauch lebenslang genießen mögen;

was einer säet, das erntet er auch.

Die Armut Christi ist der einzige schmale Weg zur Vollkommenheit.

Diesen Weg haben nach Beschaffenheit ihrer Zeit erwählt die Erz-Väter im alten Bund,

so viele ihrer auf Christus gehofft haben.

Abraham, Isaak und Jakob haben alle auf göttlichen Befehl

ihr Vaterland, Bequemlichkeit und alles verleugnet, und als Fremdlinge sich bald hier bald da aufhalten müssen;

obwohl, zum Vorbild der zukünftigen Güter, Gott sie allezeit wieder mit den Gütern dieses Lebens gesegnet hatte,

welches zur Zeit des alten Bundes, um der Person willen

und wegen des kostbaren äußerlichen Gottesdienstes, die in Schlacht-Opfer und dergleichen bestand,

ein nötiger Segen war.

Moses, der getreue Knecht Gottes, und Mittler des alten Bundes,

erwählte durch den Glauben die Armut Christi,

und weigerte sich eines Königs in Ägypten Sohn zu heißen, er erwählte vielmehr,

gehalten zu werden mit dem Volk Gottes, als den zeitlichen Genuss der Sünden zu haben:

er achtete die Schmach Christi für einen größeren Reichtum, als die gesammelten Schätze in Ägypten,

denn er sah auf die Belohnung. (Hebräer 11.24)

Und so haben ihm die Propheten gefolgt und alle, welche Christus im Glauben recht erkannt haben.

Aber Christus selbst ist in diesem Teil das vollkommene Vorbild, welches bekannt ist.

Der Satan sprach zwar zu ihm:

„Wenn du niederfällst, und mich anbetest, will ich dir alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit geben.“

Aber verflucht sei diese listige Schlange mit ihren Schlacken.

Diesen schmalen Kreuzes-Weg in Christi Armut erwählten seine Apostel und alle seine Lehr-Jünger,

so viele auch ihrer Anfangs in den Neuen Bund getreten waren, und obwohl jene in Schwachheit fragten:

„Herr wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt, was wird uns dafür?“,

so versichert sie doch der Heiland, dass derjenige, welche ihm solcher Gestalt in der Wieder-Geburt gefolgt ist,

dass sie sitzen sollten auf Stühlen, und die Welt richten,

auch dass ihnen die Herrlichkeit des Vaters zuteil werden sollte,

und was sie verlassen, doppelt in jenem Leben wieder finden, ja, auch in dieser Welt.

Diese geistliche und leibliche Armut ist das erste Kennzeichen der wahren Jünger Christi nach dem neuen Bund,

und die hierin den schmalen Weg zum Leben nicht scheuen,

tragen desto freudiger ihr zweites Kennzeichen an sich, welches ist:

2. CHRISTI geistliche und leibliche VERFOLGUNG von dem Satan und der Welt.

Von Christus dem Herrn ist bekannt genug,

wie er vom Satan nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich im Geist versucht und verfolgt worden ist,

ja, er ist versucht in allen Stücken gleich wie wir, aber ohne Sünde. (Hebräer 4.15)

Wie er aber von der Welt, vornehmlich von den Schriftgelehrten und Pharisäern,

auf allerhand Art und Weise zugesetzt, und bis in den Tod verfolgt worden war,

bezeugen breit alle Evangelisten, und ist bekannt.

Wer nun mit Christus leben und königlich regieren will,

der muss auch in diesem Stück ihm nachfolgen und ausharren.

Zuerst setzt der Satan geistlich alle Kräfte zu,

das neu-geborene Kindlein in der Seele arglistig und boshaftig zu töten.

In der Vernunft spricht er, die Wahrheit sei Lügen, und seine Lügen Wahrheit;

Christus sei ein Teufel, und er sei Christus.

Zu dem Ende bildet er sich in der Vernunft in Engels Gestalt ab,

und quält die arme Seele mit so vielen zerstreuten Bildnissen und Gedanken, dass sie ohnmächtig danieder sinkt.

Er erweckt im Fleisch und Blut: Zorn, Geiz, Neid und Hoffart, böse Lust und dergleichen,

und spricht zur Seele: Besieh dich, ob das Christi Rock sei, segne deinen Gott, und stirb!,

so muss der matte Geist bei dem Anfang der Reinigung seinen eigenen Unflat riechen.

Inzwischen grünt der gekreuzigte Christus in dem inwendigen Menschen hervor,

und reicht der Seele verborgene Kräfte, dem Satan zu widerstehen.

Zuerst lässt er in ihr aufgehen die Morgen-Röte von seinem Licht, welches zwar ihren Unflat erst recht offenbart,

aber sie auch munter macht an seiner Kraft, den alten Sauerteig allmählich auszufegen.

Die Seele sieht und erkennt ferner, dass der Satan zu ihr in Gedanken gesprochen habe,

und im Fleisch etwas erregt, aber ihr Wille nicht mit zustimmt habe.

Inzwischen schreit sie um Hilfe zu ihrem gekreuzigten Heiland wider ihren mächtigen Feind,

der dann auf eine Zeitlang weichen muss,

bis der neue Mensch besser zu Kräften kommen und den Streit ausführen kann.

Denn es muss das gelobte Land mit Streit erobert werden, unter dem Fähnlein Christi.

Doch flieht der böse Feind nicht ganz,

sondern sucht von außen die Schale zu zerbrechen und die neue Frucht zu verd